Mut zur Lücke

Zeltidyll auf der Cuvrybrache, Foto Nanette Fleig

Sitzecke Cuvrybrache, Foto Nanette Fleig

 

Autorin: Kessy/https://gentrifidingsbums.blog/

Vorspann: Berlin benötigt neue bezahlbare Wohnungen. Aber etwas Wildnis braucht es auch, damit noch Platz für Abenteuer bleibt.

Brachflächen – in Berlin jahrzehntelang ein vertrautes Bild. Grundstücke, die leer stehen, die verfallen oder als Müllkippe genutzt werden. Inzwischen sind sie immer seltener, immer mehr Menschen ziehen nach Berlin, die Stadt wird voller und enger. Wohnraum wird gebraucht, und so wird jede Lücke zugebaut. Verdichtung nennt sich das, und das unterscheidet die Stadt vom Land. In Berlin ist zudem Nachverdichtung der neue Trend: Dachgeschossausbau, Aufstockung und Bebauung der Hinterhöfe und Brachen sollen dringend benötigten Wohnraum schaffen. Das geht oft auf Kosten der Mieter*innen, die sich in Hinterhofwohnungen wiederfinden, wie es sie in den 20er-Jahren gab: ohne Licht und Luft, dicht an dicht mit den Nachbar*innen. Ein Gesamtkonzept scheint es – abgesehen von bauen, bauen, bauen – nicht zu geben. Das ist bitter, denn Freiflächen, Hinterhöfe mit leerstehenden Remisen, Ruinen und wild zugewachsene Baulücken sind nicht nur für Flora und Fauna wichtig, sondern auch für Kinder und Jugendliche. Wo sonst kann man ohne pädagogische Begleitung spielen oder Freund*innen treffen? Vielleicht mit anderen einen kleinen Skateparcours bauen, Graffitis auf verfallene Gebäude sprühen oder sich ein Baumhaus bauen?

Geräumte Cuvrybrache 2014, Foto Nanette Fleig

Sogar im Görli wird jede dunkle oder nicht einsehbare Ecke vernichtet, um Dealern das Verstecken von Drogen zu vermiesen. Das nimmt dem Park das letzte bisschen Wildnis, was doch gerade für Stadtkinder so wichtig ist. Kinder und Jugendliche bewegen sich nicht nur auf zugewiesenen Flächen, zwischen Kita, Schule und Spielplatz, sondern mitten in der Stadt! Zwischen den Häusern, auf den Straßen und Plätzen. Viele tolle Projekte entstanden auf Freiflächen: das Yaam, das sich von einer Zwischennutzung zur nächsten hangelt, das Cabuwazi mit seinen verschiedenen Zirkusstandorten oder die Prinzessinnengärten. Jede Brache ist ein potentieller Garten und noch gibt es sie, die kleinen Durchgänge, die überwucherten Orte zwischen den Häusern, die grünen Flächen im Blockkern, auf denen früher mal Häuser standen. Was den Kiez spannend macht, entwickelt sich oft ohne Plan. Leute machen interessante Sachen, wenn man sie nur lässt. Doch das dürfte bald vorbei sein, wenn jeder Fleck bebaut und betoniert ist. Vielleicht sollten wir eine Initiative für den Erhalt von Baulücken gründen. »Die Brache bleibt unser!« oder die »Baulückenbande«. Wer ist dabei?

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